HNO Fachinfo Allergie

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie auf unsere Website „Allergie Landshut“ als Informationsportal unter der Website „HNO Arzt Landshut“ aufmerksam wurden.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen rund um das Thema „Allergie“. Wir hoffen, dass Sie hier auf Ihre Fragen eine Antwort finden. Bevor Sie sich zu den Einzelheiten informieren, sollten Sie sich über folgende wichtige Punkte im Klaren sein:

-Eine Information im Internet kann den Arztbesuch nicht ersetzen.
Ohne Befunderhebung durch einen Arzt und ohne das dazu erforderlich umfangreiche Basiswissen aus Medizinstudium und Facharztweiterbildung ist es kaum möglich, in diesem Bereich die richtige Diagnose zu stellen und die individuell passende Therapie für Sie zu finden.

- Medizinisches Wissen unterliegt dem Wandel.
Die hier gegebenen Informationen wurden nach bestem Wissen nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand erstellt. Dieses Wissen wird andauernd durch neue Erkenntnisse bereichert. Die Aussagen und Informationen, die sie hier finden, dürfen also nicht dogmatisch als Wahrheit aufgefasst werden.

-Ärztliches Handeln unterliegt der Therapiefreiheit.
Das bedeutet, dass Sie durchaus von verschiedenen Ärzten abweichende Therapieempfehlungen erhalten können, da einem Arzt die freie Wahl der Behandlungsmethode zusteht. Auch vor diesem Hintergrund gilt, dass Sie das Gelesene nicht als einzig gültige Wahrheit ansehen sollten.

Die folgenden Informationen sollen nicht ein Lehrbuch zur Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder zur Allergologie ersetzen. Es handelt sich vielmehr um hoffentlich gut verständliche Antworten für den medizinischen Laien auf Fragen, welche in unserer HNO Praxis in Landshut immer wieder aufkommen.

Ist bei Kindern eine Allergie anzunehmen, wenn die Nasenatmung eingeschränkt ist?

Für eine Nasenatmungsbehinderung zwischen dem 2. und 8. Lebensjahr gibt es zahlreiche Gründe. Die häufigste Ursache aber ist nicht das Vorliegen von Allergien, sondern das Vorliegen einer vergrößerten Rachenmandel (Synonym: Adenoide, im Volksmund auch „Polypen“ genannt). Dabei handelt sich unter anatomischer Betrachtung nicht um eine Erkrankung der Nase, sondern des lymphatischen Gewebes im Rachen, genauer gesagt im Nasenrachenraum.

Ist bei Erwachsenen eine Allergie anzunehmen, wenn die Nase verstopft ist?

Diese Antwort kann im Einzelfall nur durch eine Untersuchung durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt gegeben werden. Und doch gibt es einige Hinweise bereits in der Anamnese, die eine Anamnese wahrscheinlich machen. Dazu gehört die Zunahme der Nasenatmungsbehinderung in Innenräumen und im Schlaf (häufig bei Hausstaubmilbenallergie) oder die saisonale Abhängigkeit der Nasenatmungsbehinderung (typische Vertreter: Birkenpollen, Gräserpollen, Getreidepollen).

Ist beim Erwachsenen eine Allergie anzunehmen, wenn die Nase verstopft ist, ohne dass ständiger Niesreiz besteht?

Das ist durchaus möglich. Bei der Hausstaubmilbenallergie beispielsweise besteht regelmäßig eine verstopfte Nase, ohne dass wesentlicher Niesreiz oder ein Ausfluss aus der Nase bestünden.

Ist eine Allergie anzunehmen, wenn die Nase läuft, allerdings nicht verstopft ist?

Das wiederum, in dieser Konstellation, ist sehr ungewöhnlich für eine Allergie. Der alleinige Ausfluss aus der Nase bei freier Nasenatmung und ohne Niesreiz ist kaum mit einer Allergie in Einklang zu bringen. Viel eher ist in diesem Fall von einer sogenannten „vasomotorischen Rhinopathie“ auszugehen, bei der zu viel und zu wässriges Sekret in der Nase gebildet wird. Es handelt sich dabei um ein Krankheitsbild, das in vielen Fällen leider nicht beeinflusst werden kann.

Welche Untersuchungen sind sinnvoll, wenn eine Allergie als Ursache einer Nasenatmungsbehinderung nachgewiesen oder ausgeschlossen werden soll?

Hier steht man vor dem Problem, dass bei einem Allergietest sehr häufig „falsch positive“ oder „falsch negative“ Ergebnisse auftreten. Das bedeutet, dass ein Test zwar auffällig ist, aber doch keine Allergie vorliegt (=“falsch positiv“), oder aber der Test unauffällig ist, aber doch eine Allergie vorliegt (=“falsch negativ“). Um dieses Problem möglichst gering zu halten, sollten mehr als nur eine Untersuchung stattfinden. In der Praxis hat sich dabei die Durchführung eines Pricktest am Unterarm und einer Blutabnahme zur Bestimmung des spezifischen IgE bewährt. Beweisend ist die „nasale Provokation“, die allerdings nur in wenigen Fällen tatsächlich dann noch erforderlich ist.

Wenn der Pricktest auffällig ist, ist dann die Allergie bewiesen?

Dazu wurde bereits zum Teil oben Stellung genommen. Es ist zu berücksichtigen, dass im Pricktest nur eine „Sensibilisierung“ nachgewiesen wird, also das Vorliegen von Abwehrstoffen (= Antikörper vom Typ Immunglobulin E, „IgE“), das der Körper fälschlicherweise gebildet hat. Eine „Sensibilisierung“ zum Beispiel auf Birkenpollen ist noch lange nicht gleichbedeutend mit einer „Allergie“ auf Birkenpollen. Generell gilt: Bei einem negativen, also unauffälligen Pricktest auf ein bestimmtes Allergen ist das Vorliegen dieser Allergie recht unwahrscheinlich (aber keinesfalls unmöglich). Andererseits aber ist ein positiver, also auffälliger Pricktest auf ein Allergen nicht beweisend für eine Allergie. Für das Vorliegen einer Allergie mit dem Vollbild der Symptome Niesreiz, Augenjucken, Ausfluss aus der Nase, verstopfte Nase, eventuell Asthma, sind noch weitere Faktoren erforderlich. Die alleinige Sensibilisierung reicht nicht.

Wenn sich Pricktest und Blutuntersuchung widersprechen, wo liegt dann die Wahrheit?

Dabei ist zu wissen, dass die beiden genannten Untersuchungen nicht dasselbe untersuchen. Beim Pricktest am Unterarm wird streng genommen nur geklärt, ob im Unterarm sogenannte Mastzellen mit einem spezifischen IgE gegen ein spezielles Allergen vorliegen. Der Bluttest zum Nachweis von spezifischem IgE gegen einzelne Allergene wiederum testet nur, ob im Blut Abwehrstoffe, Immunglobuline, vorliegen, die gegen das Majorallergen dieses Allergens gerichtet sind. Es kommt also immer wieder zu beträchtlichen Abweichungen bei den beiden Untersuchungen. Meist reicht dann die genaue Anamnese, um die beim Patienten zutreffende Diagnose zu stellen. In Einzelfällen ist genau hier die nasale Provokation der nächste Schritt.

Müssen denn Allergien im Kindesalter unbedingt behandelt werden?

Bei der Antwort auf diese Frage ist es sinnvoll, behandelte Kinder mit unbehandelten Kindern über Jahre hinweg zu vergleichen. Dazu gibt es ein recht sicheres medizinisches Wissen: Bei Kindern, die nicht oder nicht korrekt bezüglich ihrer Allergien behandelt werden, treten häufiger asthmatische Beschwerden auf. Unbehandelte Kinder entwickeln häufiger zusätzliche Allergien, auch Kreuzallergien auf Nahrungsmittel. Unbehandelte Kinder haben in den darauffolgenden Jahren einen höheren Medikamentenverbrauch als behandelte. Alles das spricht deutlich dafür, Allergien nicht zu tolerieren, sondern zu therapieren.

Was ist die richtige Therapie bei Allergien?

Die Therapie bei Allergien besteht aus „drei Säulen“:
-Allergenkarenz. Darunter versteht man das Vermeiden des Allergens. Das ist zum Beispiel bei der Hausstaubmilbenallergie in gewissem Ausmaß durch die Verwendung eines Allergiker-Bettbezuges möglich.
-Symptomatische Therapie. Darunter versteht man die Verwendung von Medikamenten, welche die Beschwerden vermindern, ohne eine Heilung zu bewirken. Am besten geeignet ist dabei bei den meisten Allergien mit nasalen Beschwerden eine Kombination aus einem speziellen Nasenspray, einem sogenannten topischen Corticoid, zum Beispiel Budesonid, Fluticason oder Mometason und der Verwendung eines Antihistaminikums, zum Beispiel Cetirizin Tabletten oder Loratadin Tabletten. Bei der Hausstaubmilbenallergie sind die Antihistaminika dabei nur wenig wirksam.
- Kurative Therapie. Darunter versteht man den Versuch, die Allergie rückgängig zu machen. Im Idealfall kann der Patient dann dem Allergen, z.B. Birkenpollen, wieder ausgesetzt werden, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Das ist bei keiner der bisherigen Therapieformen sicher möglich. Eine Möglichkeit mit nachgewiesener Wirkung bietet aber die „spezifische Immuntherapie“ („Hyposensibilisierung“).

Welchen Vorteil bietet die Hyposensibilisierung gegenüber anderen Therapien, wie zum Beispiel Homöopathie oder Akupunktur?

Der Vorteil liegt darin, dass bei der Hyposensibilisierung eine Wirkung nachgewiesen wurde. Sie ist unter medizinisch-wissenschaftlicher Betrachtung nicht zu leugnen. Dieser Nachweis ist bei anderen Verfahren bisher nicht erbracht. Sie sind also unter medizinisch-wissenschaftlicher Betrachtung unwirksam. Mit unwirksam ist hier gemeint, dass sie den Placebo Effekt – den man allerdings nicht unterschätzen darf – nicht übersteigen.

Wie wird eine Hyposensibilisierung durchgeführt?

Es gibt heute zwei etablierte Therapieformen zur Durchführung der spezifischen Immuntherapie, nämlich durch Gabe des Allergens (oder besser: Allergoid) unter die Haut, also subcutan, im Abstand von mehreren Wochen. Welches Schema dabei genau gewählt wird, ist von Hersteller zu Hersteller verschieden und oft auch von Praxis zu Praxis verschieden, ohne dass dabei jemand für sich in Anspruch nehmen kann, den Stein der Weisen gefunden zu haben. In unserer Praxis wird üblicherweise im Abstand von einer Woche 7x in Folge die Dosis gesteigert und danach im Abstand von 5 Wochen über 3 Jahre eine Spritze unter die Haut des Oberarms gegeben. Eine Alternative zur Spritze, aber nicht die Standardtherapie, ist in Einzelfällen die tägliche Einnahme von Tropfen oder Tabletten. Diese Therapie findet nur bei ausgewählten Allergenen Anwendung. Leider hat sich gezeigt, dass die Zuverlässigkeit der Einnahme über Jahre doch recht gering ist, dass also die Compliance der Patienten dabei oft gering ist.

Lässt sich der Erfolg einer abgeschlossenen Hyposensibilisierung messen?

Nein. So seltsam es klingt, aber es ist im Einzelfall, auf den einzelnen Patienten bezogen, leider bisher nicht möglich, den Erfolg einer abgeschlossenen Hyposensibilisierung zuverlässig zu messen. Es ist möglich, in groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchungen die Wirksamkeit dieser Therapie „im statistischen Mittel“ zu beweisen. Das ist auch geschehen. Daher wird diese Therapie ja auch empfohlen. Eine Messung des Erfolges im Einzelfall in der Praxis ist bisher nicht möglich. Die Messwerte des spezifischen IgE im Blut sind dazu kein brauchbarer Parameter. Das Nachlassen der Symptome nach 3 Jahren Therapie ist zwar erfreulich für den Patienten, aber vielleicht auch auf andere Faktoren zurückzuführen, etwa auf die psychische Verfassung des Patienten, auf den Placebo Effekt, auf eine geringere Exposition gegenüber dem Allergen und vielem mehr. Im gegenteiligen Fall, also bei weiterbestehenden Beschwerden auch nach der Hyposensibilisierung, ist dadurch noch lange nicht die Wirkungslosigkeit im Einzelfall nachgewiesen. Denn es könnte durchaus sein, dass die Beschwerden ohne Hyposensibilisierung noch viel stärker ausgeprägt sind.